Eine Frau, ein Gästebad und 120 Euro
- Anne Sophie Vogl
- 12. Apr. 2020
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Jan. 2024
Zwischen Renovierungschaos, Job, Familie und dem ganz normalen Alltagswahnsinn nehme ich dich mit, wie ich größtenteils im Alleingang unser Familiennest aka. die Doppelhaushälfte von 1993 renoviere und gestalte. Viele handwerkliche Dinge mache ich dabei zum ersten Mal - doch wenn ich es schaffe, kannst du es auch schaffen!

Das Gästebad gleich neben der Haustür hat bisher wenig Beachtung bei uns gefunden. Es war ganz praktisch als Abstellkammer, mehr aber auch nicht. Dann kam der erste Corona-Lockdown und ich nahm mir endlich die Zeit, dem Gästebad Liebe einzuhauchen. Wie ich das alles mit wenig Budget, ohne Hilfe, dafür mit Kreativität geschafft habe, erfährst du im Artikel.
Unseren Besuchern wollten wir dieses Klo einfach nicht zumuten, das alles andere als einladend war. Selbst blankgeputzt war das Gäste-WC kein schönes Örtchen. So verkam es zur Abstellkammer. Und ja, ich schäme mich schon, aber so hat es nun mal wirklich ausgesehen.

Ewig habe ich hin und her überlegt: Warten, bis wir uns eine "richtige" Renovierung leisten können, oder selber machen? Du kannst dir sicher vorstellen, auf was meine Wahl im Endeffekt fiel. DO IT YOURSELF, GIRL!
Und mit selbermachen, meine ich wirklich, dass ich ALLES alleine hinbekommen habe. Das heißt, du kannst das auch!
Aus dem Albtraum-Raum in beige sollte also ein schönes, einladendes Gäste-WC werden. Also Inspiration habe ich mir den modernen Landhaus-Stil rausgesucht. Stöbere dazu einfach mal durch Pinterest. Ich habe mir dann ein Moodboard zusammengestellt und gleich geschaut, wo ich die Produkte herbekomme.

Die Inspiration
Den runden Spiegel gibt es zum Beispiel bei Ikea (Langesund). Ich muss zugeben, der war mir mit 50 Euro noch zu teuer. Schließlich geht es hier um ein budgetfreundliches Makeover. Außerdem wusste ich, dass ich noch einen ovalen Spiegel im Keller hatte. Das war für mich nah genug an der Vorlage.
Für die Bodenfliesen habe ich mich für "Peel and Stick" entschieden. Das sind Klebefliesen aus Vinyl. Es sind also keine dünnen Aufkleber, sondern richtige Platten, die eine eigene Dicke haben, sodass die Fugen der alten Fliesen kein Problem sind. Leider (und ich ärgere mich heute noch ein bisschen darüber) ist dieses wunderschöne Muster oben in Deutschland nicht herzubekommen (Nachtrag: Monate später habe ich das Muster bei Amazon bekommen. Ich habe damit mittlerweile unseren Eingangsbereich und Flur ausgelegt).
Der Boden
Ganz verloren war die Hoffnung dann aber doch nicht. Auf amazon gibt es eine kleine Auswahl an "Wallpops"-Artikeln. Meine Wahl fiel auf diese hier. Eine Packung hat zehn Fliesen von ca. 30 x 30 cm. (Angabe ist 12 x 12 Zoll) und kostet um die 20 Euro. Für mein Badezimmer ( etwa 2 x 1,7 Meter; hat viele Ecken, Kanten und eine Schräge Wand) habe ich vier Packungen bestellt, aber nur drei gebraucht, was gut war, denn eine kam beschädigt an und ich werde sie zurücksenden. So habe ich ca. 60 Euro für den Boden und damit den Großteil des Budgets ausgegeben.
Die Fliesen zu verlegen war nicht komplett einfach. Das Muster war etwas undankbar. Ich hab die Fliesen auch mehrmals neu ausrichten müssen, es war wie ein großes Puzzle. ABER: Es ist MACHBAR. Zuschneiden kann man sie mit einem Cutter oder - so hab's ich gemacht - sogar mit einer normalen Schere! Fertig verlegt gab es echt blöde Lücken zwischen den Platten (Bild 1). Ich hab dann alles noch mit weißem Silikon verfugt, so wurde auch alles gleich besser mit dem Untergrund und untereinander verklebt. Und siehe da: die Lücken waren nicht mehr zu sehen (Bild 2). Ich habe vorher noch nie mit Silikon gearbeitet. Weiß auch nicht, ob's genau das Richtige war, aber für mich hat's funktioniert und ich hatte es bereits eingekauft (die Ränder sollten auf jeden Fall mit Silikon verfugt werden). Damit manche störrische Platten schön kleben bleiben, hab ich sie mit Gewichten beschwert (Bild 3). (Nachtrag: Es gibt auch fertig gemischte Fugenmasse, die funktioniert besser;))
Die Wände
Die Wandfliesen (Modell Schlachthaus bis unter die Decke) habe ich - wie sollte es auch anders sein - mit Kreidefarbe gestrichen. Ich habe mich für Chalky White (Renovo Shabby Chic Effektfarbe, Hagebaumarkt) entschieden. Dieser Farbton ist im Gegensatz zu den anderen Farbtönen dieser Reihe (die ich bisher benutzt habe) sehr dickflüssig. Just that you know! War jetzt aber kein größeres Hindernis. Für zwei Anstriche habe ich etwa eineinhalb Dosen mit je 750 ml gebraucht, vielleicht auch etwas mehr, die erste war schon angebrochen und die zweite habe ich nicht aufgebraucht. Eine Dose kostet etwa 15 Euro. Übrigens verwende ich für alle Anstriche dieser Art eine einfache Schaumstoffrolle und Pinsel. Wichtig hier: in mehreren Abschnitten immer erst die Fugen mit einem Pinsel anmalen, und dann in diesem Bereich mit der Rolle über die Fliesen drüber. Dann wird's gleichmäßig und man hat ein bisschen Abwechslung.
Ebenfalls eingekauft habe ich für dieses Projekt den passenden Schutzlack zur Kreidefarbe. Und ich sag's dir, der war echt nötig! Ohne Schutzlack ist die Kreidefarbe bei der kleinsten Berührung von den Fliesen geblättert. Das war jetzt kein Drama, wenn's mal passiert, denn ich konnte ja einfach nochmal drüber gehen, aber auf Dauer war's nichts. Also Schutzlack drüber, davon habe ich vielleicht eine viertel Dose (!) gebraucht, er ist sehr dünnflüssig und wunderbar schnell aufzutragen. Und riecht auch noch irgendwie gut...Gleichmäßiges auftragen ist hier besonders wichtig. Ich bin ehrlich, bei einem bestimmten Lichteinfall sieht man die "Pinselstriche", nur dass es Rollenspuren sind - aber es stört mich nicht mal, obwohl ich was sowas angeht sehr pingelig bin.
Die Dusche
Im Gästebad gibt es auch eine Dusche, die soweit gut in Schuss ist. Vermutlich hat in der Vergangenheit nie jemand dort geduscht (gibt bei uns ja auch noch ein "Hauptbad"). Dort habe ich NICHT gestrichen, weil ich mir Arbeit sparen wollte und nicht weiß, wie die Kreidefarbe mit Schutzlack bei Wasser hält. Ich werde das aber denke ich noch nachholen, einfach, um es zu wissen.
Was ich aber gemacht habe: Duschkopf ausgetauscht (günstige für 10 Euro reichen in diesem Fall), ein nicht abzumontierendes Eckregal aus Plastik in der Dusche, das vermutlich mal weiß war, aber mittlerweile gelblich, mit weißem Sprühlack angesprüht, und - das ist hier das spielentscheidende - einen Duschvorhang mit Klemmstange (ohne Bohren) davorgehängt, der das ganze einfach verdeckt. Den habe ich schon vor Ewigkeiten beim Amazon-Prime-Day gekauft. Insgesamt waren das mit Haken und Stange vielleicht 20 Euro. Also: tarnen und täuschen ist durchaus erlaubt!
Der Rest
Dann gab es noch kleinere Arbeiten, wie den Deckel der Klospülung. Auch der war irgendwie gelblich. Ich habe ihn abmontiert und mit einer Schicht weißem Sprühlack angesprüht. Dass es so gut wird, hätte ich auch nicht gedacht.
Ich habe auch dem 0815-Ikea-Waschbeckenunterschrank noch eine Chance gegeben. Den haben die vorherigen Bewohner einfach da gelassen - war also GRATIS;).

Aus meinem Arsenal an Kreidefarben habe ich "Anthrazit" von Rust-Oleum gewählt, die Beine schwarz angesprüht und übriggebliebene Knöpfe aus der Küche angebracht. Das ist auch etwas, was ich an Kreidefarbe so liebe: selbst die ultra glatten, laminierten Ikea-Möbel können ohne Vorbehandlung damit gestrichen werden! Wenn's mal passt, könnte ich mir eine Holzplatte darauf noch gut vorstellen, oder auch irgendwann mal ein Schrankl, in das das Waschbecken schön eingebettet ist. Aber ich finde es macht schon einiges mehr her, oder? Oben bereits erwähnter Spiegel aus einer seit fast vier Jahren noch nicht ausgepackten Umzugs-Kiste im Keller hat perfekt gepasst. Das "Badregal" darunter ist das Gewürzregal Bekväm von Ikea für 2,99 Euro. Das lag auch schon ewig rum und hat auf seine Bestimmung gewartet. Ebenso habe ich sämtliche Deko und Accessoires (z.B. Handtuchhaken) hergenommen, die ich bereits irgendwo hatte und nicht benutzt habe. Klar hat nicht jeder so einen "Vorrat", aber selbst, wenn ich es neu gekauft hätte wäre das nicht sehr teuer gewesen. Schau doch mal, was du für das Badezimmer umfunktionieren kannst, oft kommen einem dann echt coole Ideen.
Bereit für die große Auflösung? Hier ein paar Impressionen aus meinem fertigen Gästebad (nomakeup, nofilter):




Das einzige, was noch passieren muss, ist eine neue Lampe (da hab ich auch schon eine ausrangierte daheim) und irgendwann ein neues WC, das aber bitte vom Fachmann! Ein paar Regälchen hier und da wären noch toll und der Klopapierhalter (auch den hatte ich schon daheim) an der Wand, statt an einer Leiter (perfekt für Handtücher, war mal ne Pflanzenleiter mit Blumentöpfen dran). Mir ist nur beim Versuch Löcher zu Bohren, der Bohrer abgebrochen, also werde ich zu ultra starken Klebestreifen tendieren.
Investiert habe ich in das Projekt vor allem Zeit und Schweiß und ungefähr 120 Euro. Ich denke weniger...
So, was sagst du zu diesem "Makeover on a budget"? Hast du auch Projekte, die du umsetzen willst oder Fragen zu meinem? Dann schreib mir gerne!
Deine Anne ❤
Nachtrag: Das Bad hat auch den Langzeit-Test bestanden und sieht auch 3 Jahre später noch gut aus. Vielleicht ist es trotzdem mal wieder Zeit für frischen Wind...?!
Auf diesem Blog nehme ich dich mit bei der Gestaltung unserer 90er-Jahre Doppelhaushälfte, gebe dir Grundwissen zu den verschiedenen Interior-Stilen, damit du endlich weißt, was dir gefällt und was nicht, zeige dir Tricks und Kniffe, die dein sowieso schon schönes Zuhause noch ein bisschen hübscher machen, spiele für dich Mäuschen in anderen ECHTEN Häusern und Wohnungen und erkläre, was Ausmisten eigentlich mit Interior zu tun hat und warum es mir so wichtig ist.






























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